Miyoo Mini: Der Retro-Handheld, der alles verändert hat
Der Miyoo Mini ist der Handheld, mit dem alles begann – klein, günstig, und mit Onion OS ein echtes Retro-Kraftpaket. Unser persönlicher Rückblick.
Der Anfang von allem
Es gibt Geräte, die man kauft. Und es gibt Geräte, die etwas verändern.
Der Miyoo Mini war für mich das zweite. Er war nicht der erste Retro-Handheld auf dem Markt. Er war nicht der leistungsstärkste. Er war nicht mal der günstigste. Aber er war der richtige – zur richtigen Zeit, in der richtigen Größe, mit dem richtigen Gefühl in der Hand. Der Miyoo Mini ist der Handheld, mit dem meine Leidenschaft für Retro-Gaming auf Handheld-Geräten begonnen hat. Und wenn ich heute einen AYN Thor in der Hand halte, einen Miyoo Mini Flip aufklappe oder auf einem Xteink X4 lese, dann geht das alles auf dieses kleine, schlichte Gerät zurück.
Dieser Artikel ist also kein neutraler Test. Er ist eine ehrliche Auseinandersetzung mit einem Gerät, das für mich persönlich den Startschuss für alles gegeben hat – und das bis heute zu den besten Retro-Handhelds gehört, die je gebaut wurden.
Was ist der Miyoo Mini?
Der Miyoo Mini ist ein kompakter Retro-Gaming-Handheld des chinesischen Herstellers Miyoo, der erstmals 2021 erschien und seitdem in mehreren Versionen überarbeitet wurde. Die aktuelle Version ist der Miyoo Mini V4 – mit verbessertem Display, besserem Akku und voller Kompatibilität mit dem legendären Community-Betriebssystem Onion OS.
Das Konzept ist denkbar schlicht: Ein Gerät, so klein wie ein Gameboy Pocket, mit einem scharfen IPS-Display, solidem Steuerkreuz, klassisches Gamepad-Layout und allem, was man für Retro-Emulation bis PlayStation 1 braucht. Kein Android, keine App-Stores, kein Overhead – einfach einschalten und spielen.
Genau das machte ihn damals so besonders. Und genau das macht ihn es bis heute.
Miyoo Mini V4: Alle Specs auf einen Blick
| Merkmal | Miyoo Mini V4 |
|---|---|
| Display | 2,8 Zoll IPS, 750 × 560 px, 4:3 |
| Prozessor | ARM Cortex-A7, 1,2 GHz (Dual-Core) |
| RAM | 128 MB DDR3 |
| Speicher | MicroSD (bis 256 GB, nicht im Lieferumfang) |
| Akku | 2.000 mAh (~5 Stunden) |
| Betriebssystem | Stock Miyoo OS / Onion OS (empfohlen) |
| Konnektivität | USB-C (Laden), kein WLAN (V4) |
| Abmessungen | 93,5 × 65 × 18 mm |
| Gewicht | Ca. 90 Gramm |
| Preis | Ca. 35–50 € |
| Farben | Schwarz, Weiß, Transparent u.a. |
Klein, leicht, preiswert. Auf dem Papier klingt das fast unscheinbar. In der Hand ändert sich das sofort.
Design & Verarbeitung: Klein ist eine Tugend
Der Miyoo Mini ist winzig. Wirklich winzig. Mit gerade mal 93,5 × 65 × 18 mm ist er kaum größer als ein klassischer Gameboy Pocket – und er passt in jede Jeans- oder Jackentasche, ohne aufzufallen.
Das klingt banal, ist es aber nicht. Denn genau diese Größe ist der entscheidende Unterschied zu vielen anderen Retro-Handhelds: Der Miyoo Mini ist ein Gerät, das man tatsächlich immer dabei hat. Nicht weil man plant, ihn mitzunehmen – sondern weil man ihn schlicht vergisst, bis man ihn in der Tasche spürt und sich freut.
Das Gehäuse ist aus Kunststoff, fühlt sich aber solide an. Kein nervöses Knarzen, kein wackeliges D-Pad, keine billigen Schultertasten. Die Verarbeitung liegt deutlich über dem, was man für den Preis erwarten würde. Das 2,8-Zoll-IPS-Display mit 750 × 560 Auflösung ist für die Gerätegröße schlicht brillant – scharf, farbtreu, mit breitem Betrachtungswinkel.
Das 4:3-Seitenverhältnis ist dabei kein Zufall. Es entspricht exakt dem nativen Bildformat der meisten Retro-Systeme – von Game Boy bis PlayStation 1. Kein Strecken, kein Beschneiden, kein Letterboxing. Einfach pixelperfekt.
Was der Miyoo Mini emulieren kann
Der Miyoo Mini ist kein Powerhouse. Aber er braucht keins zu sein – denn er ist für genau das optimiert, was Retro-Gaming ausmacht.
| System | Performance |
|---|---|
| Game Boy / Game Boy Color | Perfekt |
| Game Boy Advance | Perfekt |
| NES / SNES | Perfekt |
| Sega Genesis / Mega Drive | Perfekt |
| Sega Game Gear / Master System | Perfekt |
| Neo Geo Pocket | Sehr gut |
| Arcade (MAME / FBNeo) | Sehr gut |
| PlayStation 1 | Sehr gut (mit Onion OS optimal) |
| Nintendo DS | Eingeschränkt (mit Drastic via Onion OS 4.3+) |
| N64 / PSP | Nicht empfohlen |
Alles bis zur PlayStation 1-Ära läuft flüssig, zuverlässig und ohne spürbares Tearing oder Slowdown. Das sind Tausende von Spielen aus mehreren Jahrzehnten Gaming-Geschichte – und alle laufen auf einem Gerät, das in jede Hosentasche passt.
Onion OS: Das Herzstück des Miyoo Mini
Hier kommt der Punkt, den man nicht überspringen darf: Onion OS.
Das Werkssystem des Miyoo Mini ist funktional – aber es ist wie ein Rohdiamant. Onion OS ist das Schleifen. Es ist das, was den Miyoo Mini von einem guten Gerät zu einem außergewöhnlichen macht.
Onion OS ist ein erweitertes Betriebssystem für den Miyoo Mini und Mini+, das von einer engagierten Community aus Entwicklern und Gaming-Enthusiasten gebaut und kontinuierlich weiterentwickelt wird. Es ist Open Source, kostenlos und verändert das Gerät grundlegend.
Was Onion OS mitbringt:
Über 100 Emulatoren – von Atari 2600 bis PlayStation 1, alles vorkonfiguriert und spielbereit. Man muss nichts manuell einrichten, kein RetroArch-Chaos, kein stundenlanger Setup-Prozess.
Auto-Save & Auto-Resume – einmal eingestellt, speichert das Gerät automatisch beim Verlassen und lädt beim Fortsetzen exakt dort weiter, wo man aufgehört hat. Das macht den Miyoo Mini zum perfekten Pick-up-and-play-Gerät.
Optimierter Custom Display-Treiber – gerade beim Miyoo Mini V4 war das entscheidend: Das V4 hat eine ungewöhnliche native Auflösung von 750 × 560 statt der üblichen 640 × 480. Ab Onion OS 4.3.0 wird diese Auflösung vollständig unterstützt – Spiele sehen seither fantastisch aus, ohne Blurring oder Skalierungsartefakte.
Pixelperfekte Skalierung – Onion OS nutzt einen eigenen RetroArch-Build mit einem auf maximale Präzision optimierten Display-Treiber. Das Bild ist scharf, clean, ohne störende Scanlines oder Interpolation – sofern man das nicht explizit aktiviert.
Activity Tracker – wer wissen möchte, welche Spiele er am meisten gespielt hat (nach Gesamtspielzeit, Durchschnittssitzung und Anzahl der Sessions), bekommt das direkt eingebaut.
Globale Suche – statt durch verschachtelte Systemordner zu scrollen, sucht man einfach nach dem Spielnamen. Das ist bei einer großen ROM-Sammlung ein echter Komfortgewinn.
Community-Themes – das visuelle Erscheinungsbild ist vollständig anpassbar. Von minimalistisch bis bunt, von retro bis modern – die Community hat Hunderte von Themes gebaut.
Nintendo DS über Drastic – ab Onion OS 4.3.0 ist der Drastic-Emulator direkt über den Package Manager verfügbar. DS-Emulation auf dem Miyoo Mini ist dabei durch die kleine Displaygröße nicht ideal für Dual-Screen-Titel, aber für viele DS-Spiele überraschend spielbar.
Onion OS installieren – so geht's
- Neueste Version von onionui.github.io herunterladen
- ZIP entpacken und den Inhalt auf die Root-Ebene der MicroSD-Karte kopieren
- SD-Karte in den Miyoo Mini einlegen und einschalten
- Die Installation startet automatisch
Fertig. Kein Flashen, kein komplizierter Prozess. Wer keine eigene MicroSD-Karte bespielen möchte: Viele Händler wie KeepRetro oder LITNXT bieten den Miyoo Mini bereits mit vorinstalliertem Onion OS an.
Der Moment, der alles verändert hat
Zurück zum Persönlichen. Denn das ist der eigentliche Kern dieses Artikels.
Ich habe den Miyoo Mini irgendwann zwischen Skepsis und Neugier bestellt. Die Retro-Handheld-Szene war mir vorher fremd – ich wusste, dass es diese Geräte gibt, aber ich hatte keinen konkreten Grund, tiefer einzusteigen.
Und dann lag dieses kleine Ding in meiner Hand. Ich startete ein Spiel. Und das war es.
Es ist schwer zu erklären, warum ein 35-Euro-Gerät mit einem 2,8-Zoll-Display so viel auslösen kann. Aber es ist die Kombination aus allem: die Größe, die sofort da ist wenn man sie braucht. Das Display, das so scharf ist, dass es sich falsch anfühlt für diesen Preis. Die Spiele, die einfach laufen – ohne Setup, ohne Konfiguration, ohne Overhead. Und Onion OS, das das ganze Erlebnis zu etwas macht, das sich nicht nach Budget-Gadget anfühlt, sondern nach einem durchdachten Produkt.
Dieser Moment war der Startschuss. Alles, was danach kam – der Miyoo Mini Flip, der AYN Thor, der Xteink X4 – hat hier angefangen. Mit einem kleinen schwarzen Kasten, der in die Hosentasche passt und Jahrzehnte Gaming-Geschichte trägt.
Miyoo Mini vs. Miyoo Mini Plus: Was ist der Unterschied?
Eine häufige Frage: Welche Version soll man kaufen?
| Feature | Miyoo Mini V4 | Miyoo Mini Plus |
|---|---|---|
| Display | 2,8 Zoll IPS | 3,5 Zoll IPS |
| WLAN | Nein | Ja (2,4 GHz) |
| Akku | 2.000 mAh | 3.000 mAh |
| Größe | Hosentaschenformat | Deutlich größer |
| Gewicht | ~90 g | ~215 g |
| Preis | Ca. 35–50 € | Ca. 55–80 € |
| Ideal für | EDC, maximale Portabilität | Längere Sessions, Online-Features |
Kurze Antwort: Wer Portabilität über alles stellt, greift zum Miyoo Mini V4. Wer WLAN, ein größeres Display und mehr Akku möchte, wählt den Miyoo Mini Plus. Beide laufen mit Onion OS – und beide sind exzellente Geräte.
Für wen lohnt sich der Miyoo Mini V4?
Perfekt für:
- Einsteiger in die Retro-Handheld-Szene – kein besseres Einstiegsgerät
- Alle, die maximale Portabilität beim Retro-Gaming suchen
- Gelegenheitsspieler, die ein Pick-up-and-play-Gerät ohne Overhead wollen
- Retro-Fans mit Schwerpunkt auf Game Boy, GBA, SNES und PS1
- Budgetbewusste Käufer, die das beste Preis-Leistungs-Verhältnis suchen
Weniger geeignet für:
- Nutzer, die N64, PSP oder modernere Systeme emulieren wollen
- Wer WLAN-Funktionalität benötigt (→ Miyoo Mini Plus wählen)
- Spieler, die großes Display und lange Akkulaufzeit priorisieren
Fazit: Der Handheld, dem man eine zweite Chance geben sollte – auch wenn man ihn schon kennt
Der Miyoo Mini ist kein neues Gerät. Er ist nicht das leistungsstärkste Gerät. Er konkurriert nicht mit dem AYN Thor, er erfindet das Retro-Gaming nicht neu.
Aber er macht etwas, das schwerer ist als alles das: Er macht Retro-Gaming zugänglich, portabel und greifbar – für Menschen, die nie gedacht hätten, dass sie dafür ein dediziertes Gerät brauchen. Er macht aus einer Busfahrt eine Runde Super Mario World. Aus einer Warteschlange eine Pokemon-Session. Aus einem Abend auf der Couch einen Abend, der sich anfühlt wie 1997.
Und er tut das für den Preis einer mittelguten Pizza.
Wenn jemand heute fragt, womit er in die Welt der Retro-Handhelds einsteigen soll – die Antwort ist und bleibt der Miyoo Mini.
Häufige Fragen zum Miyoo Mini (FAQ)
Was ist der Unterschied zwischen Miyoo Mini V4 und V3?
Das V4 bringt ein vollständig laminiertes Display (OCA-Lamination), einen verbesserten 2.000-mAh-Akku und eine bessere Verarbeitung gegenüber dem V3. Onion OS 4.3.0 hat zudem native Unterstützung für die ungewöhnliche 750 × 560 Auflösung des V4 eingeführt.
Hat der Miyoo Mini V4 WLAN?
Nein. Der Miyoo Mini V4 hat kein WLAN. Wer Online-Funktionen oder einfacheres Dateimanagement möchte, sollte zum Miyoo Mini Plus greifen, der WLAN 2,4 GHz unterstützt.
Ist Onion OS kostenlos?
Ja. Onion OS ist vollständig kostenlos, Open Source und wird von einer aktiven Community kontinuierlich weiterentwickelt. Die aktuellste Version ist immer auf GitHub unter onionui.github.io verfügbar.
Welche MicroSD-Karte empfiehlt sich für den Miyoo Mini?
Empfohlen werden schnelle MicroSD-Karten (Class 10 / UHS-I) von namhaften Herstellern wie SanDisk oder Samsung. 64 oder 128 GB bieten ausreichend Platz für eine umfangreiche ROM-Sammlung.
Kann der Miyoo Mini PlayStation-2-Spiele emulieren?
Nein. Der Miyoo Mini ist für Systeme bis zur PlayStation 1 ausgelegt. PS2, N64 und PSP übersteigen die Leistungsgrenze des ARM Cortex-A7-Prozessors.
Wo kann ich den Miyoo Mini kaufen?
Der Miyoo Mini V4 ist über AliExpress, Amazon sowie spezialisierte Händler wie KeepRetro oder LITNXT erhältlich. Preise liegen je nach Händler und Version zwischen 35 und 50 Euro.

Kev
Ich beschäftige mich seit über 10 Jahren mit Technik, Gadgets und allem, was sich im Retro-Bereich tut. Handhelds, ausgefallene Gadgets und Kram aus meiner Vergangenheit – genau das treibt mich an. Neben Gadget Kompass betreibe ich den YouTube-Kanal Kevs Techupdate, wo ich all das auch im Video-Format aufbereite.



