RAM-Krise trifft Gaming: PS5 bereits teurer – droht der Switch 2 dasselbe Schicksal?
KI-Konzerne kaufen den Speichermarkt leer. Sony hat die PS5-Preise bereits erhöht – und auch Nintendo, Retroid, AYN und Co. stehen unter Druck.
Wer in den letzten Wochen verfolgt hat, was auf dem Konsolenmarkt passiert, hat es wahrscheinlich schon bemerkt: Gaming wird teurer. Und nicht weil die Hersteller gierig sind – sondern weil die gesamte Lieferkette unter einer Krise leidet, die weit über Gaming hinausgeht.
Die Kurzversion: KI frisst RAM. Und alle anderen leiden darunter.
Was gerade passiert
Seit Ende 2025 explodieren die Preise für DRAM und Flash-Storage. Was Anfang 2025 noch für rund 200 Dollar zu haben war (64 GB DDR5-RAM), kostet im April 2026 zwischen 900 und 1.400 Dollar. Ein Anstieg von bis zu 700 Prozent in gut einem Jahr.
Der Auslöser: Die großen KI-Konzerne – Meta, Microsoft, Google, Amazon – kaufen den Speichermarkt buchstäblich leer, um ihre Rechenzentren für KI-Training aufzurüsten. Chiphersteller wie Samsung und SK Hynix priorisieren die profitableren KI-Chips über „normale" Konsumer-DRAM. Was übrig bleibt, teilt sich ein Markt: Smartphones, PCs, Konsolen – und Retro-Handhelds.
Das Ergebnis: Wer auf Speicherchips angewiesen ist und nicht Google heißt, zahlt gerade astronomische Preise.
Sony hat bereits gehandelt – und es tat weh
Seit dem 2. April 2026 sind die PS5-Preise in Europa offiziell gestiegen. Die PlayStation 5 mit Disc-Laufwerk kostete bisher 449,99 Euro – jetzt sind es 549,99 Euro. Ein Plus von 100 Euro. Die PS5 Pro kletterte von 799,99 auf 899,99 Euro. Sony begründete den Schritt offiziell mit „gestiegenen Komponentenkosten und globalen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen."
Microsoft hatte seine Xbox-Preise bereits 2025 angehoben. Die Xbox Series X kostet in bestimmten Konfigurationen inzwischen 800 Dollar.
Damit steht Nintendo als letzter großer Konsolenhersteller da, der seinen Preis bislang stabil gehalten hat.
Nintendo Switch 2: Die Frage ist nicht ob, sondern wann
Nintendo-Präsident Shuntaro Furukawa erklärte Anfang Februar, dass man „aktuell keine Preiserhöhung plane" und die Switch 2 bewusst zum Launch-Preis von 469,99 Euro halten wolle. In einer späteren Fragerunde klang er jedoch bereits vorsichtiger – und räumte ein, dass künftige Preisentwicklungen eine Strategieanpassung erzwingen könnten.
Bloomberg berichtete kurz darauf, Nintendo erwäge intern eine Preiserhöhung noch im Jahr 2026.
Ein ehemaliger Nintendo-Sales-Manager sagte im Podcast „Kit & Krysta" bereits deutlicher, was viele denken: „Selbst wenn sie an einigen Stellen entgegenkommen, werden die Hardwarepreise am Ende steigen. Es gibt einfach zu viele äußere Einflüsse."
Branchenanalyst Dr. Serkan Toto von Kantan Games brachte es auf den Punkt: „Ich wäre sehr überrascht, wenn die Switch 2 Ende 2026 in den USA noch für 450 Dollar im Regal stünde."
Was Nintendo vorerst schützt: Laut Insidern hat das Unternehmen Produktionsverträge abgeschlossen, die die Komponentenpreise bis Ende 2026 absichern. Sobald diese auslaufen – voraussichtlich im vierten Quartal 2026 oder Anfang 2027 – könnte der Preis steigen. Analysten sprechen von einem möglichen Aufschlag von 50 bis 100 Euro.
Dazu kommt eine interessante Gegenbewegung: Nintendo senkt parallel dazu die Preise für digitale Switch-2-Spiele dauerhaft. Eine bewusste Maßnahme, um die Konsumentenbelastung zu puffern – was wiederum darauf hindeutet, dass man intern von steigenden Hardwarepreisen ausgeht.
Was das für die Retro-Handheld-Szene bedeutet
Wer bei Gadget-Kompass liest, interessiert sich nicht nur für Nintendo. Und die RAM-Krise betrifft den gesamten Handheld-Markt.
Anbernic, Retroid, AYN, Miyoo – alle sind auf dieselben Speicherchips angewiesen. Die Auswirkungen sind bereits spürbar:
- Retroid hat den Preis seines Pocket Classic auf 150 Dollar angehoben und den Retroid Pocket G2 vorübergehend eingestellt.
- AYANEO warnte, dass der Pocket FIT 8 Elite bald nicht mehr verfügbar sein könnte, mit weiteren Geräten auf der Abschussliste.
- Der AYN Thor ist beliebt – aber steigende Speicherpreise werden zunehmend zur Sorge.
- Valve musste sogar die Steam Machine, ursprünglich für Ende 2025 geplant, ins erste Halbjahr 2026 verschieben – ebenfalls wegen Speicherengpässen.
Kurz gesagt: Die günstige Ära des Retro-Handhelds steht unter Druck. Geräte, die vor einem Jahr 50 Euro kosteten, könnten bald deutlich teurer sein.
Was du jetzt tun kannst
Wenn du schon länger mit dem Kauf einer Switch 2, eines Retro-Handhelds oder anderer Spieler-Hardware geliebäugelt hast: Jetzt könnte der richtige Zeitpunkt sein. Die aktuellen Preise sind – zumindest bei Nintendo – vorerst noch gesichert. Aber das Zeitfenster könnte kleiner werden als gedacht.
Und für alle, die einfach wissen wollen, wie es weitergeht: Wir behalten die Entwicklung im Blick und berichten, sobald sich etwas ändert.
Quellen: Bloomberg, Eurogamer, GamePro, Play3, Buffed, Notebookcheck, Escapist Magazine

Kev
Ich beschäftige mich seit über 10 Jahren mit Technik, Gadgets und allem, was sich im Retro-Bereich tut. Handhelds, ausgefallene Gadgets und Kram aus meiner Vergangenheit – genau das treibt mich an. Neben Gadget Kompass betreibe ich den YouTube-Kanal Kevs Techupdate, wo ich all das auch im Video-Format aufbereite.



